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Bleiben Sie behütet!

|   Glaube

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. 

(Johannes 10, 11a.27-28a

Bleiben Sie behütet!

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie gehört dieser Wunsch bei vielen Menschen dazu, wenn man sich verabschiedet. Ich lese und höre ihn jeden Tag in Beiträgen auf Facebook. Ich spreche ihn selbst aus am Ende der ZOOM-Konferenzen wenn sich alle nochmal zuwinken. Oder wenn ich dann doch jemanden live getroffen haben, beim Einkaufen oder Zahnarzt.

Bleiben Sie behütet! 

Anders als bei ‘Passen Sie gut auf sich auf' steckt hinter diesem Wunsch, er ist ja auch passivisch formuliert, die Erfahrung, dass ich es nicht nur selbst in der Hand habe, ob es mir in den kommenden Tagen wirklich gut gehen wird, ob ich gesund und munter bleibe und verschont von Sorgen. 

Dass unser Leben alles andere als 100% abgesichert, planbar und vorausschaubar ist, lassen uns die Erfahrungen mit Corona mehr als deutlich spüren. Auch uns hier in Deutschland. 

In anderen Teilen der Welt, wo der Alltag von Menschen viel stärker von Unwägbarkeiten geprägt ist als bei uns, stecken auch in der Alltagssprache sehr klare Bezüge auf Gott, unsere Abhängigkeit von ihm oder dem Dank ihm gegenüber. Fragt man z.B. in Ghana jemanden morgens, ob er gut geschlafen hat, dann hört man meistens: Thank you, by the grace of the Lord - Danke, durch die Gnade des Herrn. Dazu strahlt einen der oder die mit einem erholsamen Schlaf Gesegnete mit einem breiten Lächeln an. Mich beeindruckt es immer zutiefst, wenn gerade Menschen, die sich nicht darauf verlassen können, dass ihr Leben in geordneten und vorhersehbaren Bahnen verläuft, nicht ängstlich oder verbittert reagieren, sondern sich explizit Gottes Schutz und seinem Willen anvertrauen. Wohl wissend, dass der Glaube an Gottes Begleitung keine Vollkaskoversicherung und Garantie dafür ist, dass man verschont bleibt von Krankheit oder anderen Beschwernissen. 

Die wirklich wichtigen Dinge im Leben können wir mit unseren Entscheidungen nur sehr bedingt beeinflussen. Wir können uns aber entscheiden, mit welcher Haltung wir unser Leben führen wollen, in guten wie in schlechten Zeiten. Oder anders gesagt: auf welche Stimme wir hören wollen. Jeden Tag geschehen Dinge, oft ja auch ganz im Kleinen, die ich schwierig, belastend oder ärgerlich finde. Es ist durchaus menschlich, dass wir uns dann aufregen oder vielleicht auch resigniert reagieren, wenn der Grund des Ärgernisses häufig unseren Weg kreuzt und wir wenig tun können, um dem aus dem Weg zu gehen. Natürlich können wir den Stimmen in uns oder von anderen nachgeben und folgen, die den Ärger, das Negative in den Mittelpunkt stellen. Dadurch ändere ich aber meist überhaupt nichts an dem Problem an sich und vergeude meine Energie und Lebensfreude. Leidvolle Erfahrungen, auch Krankheit und Tod gehören zum menschlichen Leben dazu, sie auszublenden gelingt nur für eine begrenzte Zeit. Macht es unser Leben nicht leichter, wenn wir uns Gottes Führung anvertrauen?

'Meine Schafe hören meine Stimme' sagt Jesus im Johannesevangelium. Das Bild vom guten Hirten gehört ja zum Traditionsgut des Alten Testaments, auch heute können noch viele Menschen Psalm 23 auswendig. Im Neuen Testament wird dieses Bild auf Christus übertragen. Christus lädt uns ein, auf ihn zu schauen, seine Stimme zu hören, uns an ihm zu orientieren, wenn es im Dickicht unseres Lebens unüberschaubar und dornig wird genauso wie dann, wenn wir unbeschwert auf Frühlingswiesen laufen dürfen. 

Dieser Einladung zu folgen, lässt mich gelassener und dankbarer mein Leben führen. Darauf vertrauen, dass am Ende das Leben stehen wird, neues Leben im Licht und im Angesicht Gottes. Einen Funken dieses Lichts schickt Gott jeden Tag in unser Leben, manchmal klein und zart, manchmal strahlend wie die aufgehende Sonne. 

Es liegt an uns, diese Funken wahrzunehmen und in uns wirken zu lassen.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen behüteten Tag. 

Ihre Marianne Wagner

Lied: Sei behütet auf deinen Wegen

https://youtu.be/I09f3UIFPZ0

(Die Andacht von Oberkirchenrätin Marianne Wagner erschien auf www.evkirchepfalz.de/aktuelles-und-presse/pressemeldungen/detail/bleiben-sie-behuetet-3543/)

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