„Krankenhausseelsorgerin… – Was macht man dann so?“

„Krankenhausseelsorgerin… – heißt das, Sie gehen von Bett zu Bett? Oder was macht man dann so?“ – so wurde ich vor kurzem gefragt.

Ja, was macht man als Krankenhausseelsorgerin eigentlich? Gerne möchte ich Ihnen einen Einblick in meine Arbeit geben. Seit Januar 2015 bin ich mit einer halben Stelle als Pfarrerin in der Stadtklinik Frankenthal tätig. Ich arbeite in der Klinik, bin aber nicht von der Klinik beschäftigt, sondern im Auftrag der Ev. Kirche der Pfalz. Deshalb ist Krankenhausseelsorge „Seelsorge am besonderen Ort“ – also Seelsorge an einem Ort außerhalb der Kirchengemeinde.

Wenn Menschen erkranken und in die Klinik kommen, dann wünschen sie sich in Ergänzung zur ärztlichen und pflegerischen Begleitung oft auch die Möglichkeit, Dinge zur Sprache zu bringen, die ihnen auf der Seele liegen. Denn mit einer Krankheit brechen häufig Fragen und Themen auf, die im Alltag eher nicht laut werden – Sinn- und Glaubensfragen, Angst vor dem Sterben, Angst vor schwerwiegenden Diagnosen oder Operationen oder auch Probleme innerhalb der Familie oder der eigenen Biographie.

All dies bedeutet für die Seelsorge aufmerksame und auch sehr unterschiedliche Begleitung der Patienten und ihrer Angehörigen.

In der Stadtklinik gestalten meine katholische Kollegin Pastoralreferentin Cäcilia Jünger-Fiebig und ich die Seelsorge in guter ökumenischer Zusammenarbeit. Wir teilen Besuche nicht nach Konfessionen auf, sondern haben uns bestimmte Stationen schwerpunktmäßig zugeordnet. Wenn ausdrücklich die evangelische bzw. die katholische Seelsorgerin angefragt wird, wird diesem Wunsch natürlich Rechnung getragen. Auch für Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, sind wir Ansprechpartner. Die muslimischen Patientinnen und Patienten werden von der ehrenamtlichen muslimischen Seelsorgerin Frau Delalic betreut.

Konkret sieht meine Arbeit so aus, dass ich die Patienten besuche, die dies wünschen. Dafür gehe ich entweder auf den Stationen von Zimmer zu Zimmer und biete ein Gespräch an, oder ich gehe gezielt zu Patienten, die um einen Besuch gebeten haben. Manchmal hinterlegen Angehörige eine kurze Nachricht im Büro, sprechen auf den Anrufbeantworter oder bitten jemandem vom Pflegepersonal darum, die Seelsorge zu kontaktieren. Dann sind wir da und bieten unsere Begleitung an.

Was uns hinter der Zimmertür erwartet, ist jedes Mal anders. Mal ergeben sich tiefgründige Gespräch über Leid und die Frage nach dem Warum, mal bleibt es bei einem Smalltalk, mal trifft man auf tiefe Verzweiflung oder große Angst, mal landet man auch in einem Zimmer, in dem gelacht wird. Alles ist möglich. So unterschiedlich wie die Menschen sind, so unterschiedlich ist auch das, was sie in diesem Moment brauchen. Das kann ein lockeres oder auch ein ernstes Gespräch sein, Schweigen, ein biblisches Wort, ein Gebet, ein Lied, das Abendmahl, das Dableiben.
Gerade bei Patienten auf der Intensivstation, die häufig nicht bei Bewusstsein sind oder sich nicht äußern können oder bei sterbenden Menschen ist es oft gut, einfach da zu sein, sich Zeit nehmen zu dürfen, mit ihnen und für sie zu schweigen, zu beten, zu singen.

Es begegnen mir Menschen, die ihre Krankheit auf ganz unterschiedliche Weise in Zusammenhang mit ihrem Glauben oder ihren religiösen Fragen bringen - das reicht von der Frage nach einem gerechten Gott bis hin zur Krankheit als Kraftquelle für den Glauben. Und so ist es mir wichtig, Menschen in den Fragen und Gefühlen, die ihnen in ihrer Krankheit begegnen, nicht alleine zu lassen, sondern Ohnmacht und Schmerz, Wut, Trauer und Ungewissheit mit ihnen auszuhalten.

Wenn jemand im Krankenhaus im Sterben liegt oder bereits verstorben ist, spreche ich mit den Angehörigen auf Wunsch einen Sterbesegen oder biete eine liturgische Aussegnungsfeier an. Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg des Abschiednehmens und für den Trauerprozess.

Gottesdienste werden in der Klinik jeden Sonntag gefeiert, jeweils um 9.00 Uhr im Wechsel als evangelischer oder katholischer Gottesdienst. Der Besuch im Gottesdienst variiert stark – mal ist die kleine Kapelle mit acht oder zehn Personen gut gefüllt, mal kommen aber auch nur ein oder zwei Patienten. Der Gottesdienst kann über die Kopfhörer auch in den Zimmern empfangen werden. Abendmahl feiern wir gelegentlich im Gottesdienst, auf Wunsch auch jederzeit als Zimmerabendmahl am Krankenbett.

Neben dem Kontakt am Krankenbett besteht meine Arbeit noch aus anderen Feldern:
*So bin ich selbstverständlich auch Ansprechpartnerin für alle Mitarbeitenden im Krankenhaus, die oft mit schwierigen Situationen umgehen müssen und deshalb immer mal wieder Gesprächsbedarf haben. Für sie bieten wir zudem auch Fortbildungen zu ethischen oder seelsorgerlichen Themen an.
* Ich arbeite im Ethikkomitee des Krankenhauses mit, in dem ethische Fragestellungen aus verschiedenen Perspektiven (Pflege, Medizin, Theologie…) diskutiert werden, z.B. Fragen rund um lebensverlängernde Maßnahmen.
* Ich bin sehr froh, dass meine Kollegin und ich auf eine große Anzahl von Ehrenamtlichen zählen können, die zusätzlich zu unseren Kapazitäten Patienten besuchen und begleiten. Diese Ehrenamtlichen in ihrer Arbeit zu unterstützen und fortzubilden, gehört ebenfalls zu unseren Aufgaben.
* Gut vernetzt ist die Seelsorge mit der Gynäkologie und dem Arbeitskreis „…weil du einmalig bist“. Der Arbeitskreis bietet Eltern, die ihr ungeborenes Kind verloren haben, Seelsorge und Begleitung an, um die Mütter und Väter in dieser schlimmen Situation nicht alleine zu lassen. Zweimal im Jahr findet eine ökumenische Trauerfeier und die Bestattung der fehlgeborenen Kinder statt.
* In der nächsten Zeit soll die Palliativpflege im Krankenhaus weiter ausgebaut werden – auch dort sind wir als Seelsorgerinnen eingebunden.

Vielleicht kann man meine Arbeit so zusammenfassen: Als Krankenhausseelsorgerin teile ich Freude und Kummer, frage und suche nach Antworten in Grenzsituationen und versuche mit den mir anvertrauten Menschen standzuhalten, wenn sich keine Antworten auftun. Ich möchte die inneren Ressourcen meines Gegenübers stärken und Menschen ermutigen. Dabei kann ein Stück Glauben lebendig werden und Gott erfahrbar werden – auch in Kummer und Leid.

Wenn Sie oder ein Angehöriger seelsorgerliche Begleitung während eines Aufenthaltes in der Stadtklinik wünschen, können Sie mich oder meine Kollegin gerne kontaktieren. Per Mail bin ich erreichbar unter klinikseelsorge.frankenthal@evkirchepfalz.de, telefonisch können Sie uns unter der Telefonnummer 771-3009 im Büro erreichen. Bitte sprechen Sie auf den Anrufbeantworter, da wir uns vorwiegend auf den Stationen und in den Zimmern aufhalten.

Katharina Jaehn