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Gemeinschaftliches Wohnen

Verein für gemeinschaftliches Wohnen in Frankenthal gegründet

Um der Idee des gemeinschaftlichen Wohnens in Frankenthal mehr Gewicht zu verleihen, hat sich am 25. September 2013 der Verein »Gemeinschaftliches Wohnen in Frankenthal« gegründet. Mitglieder sind Ehren- und Hauptamtliche aus dem Seniorenbeirat, dem Pflegestützpunkt, der Ökumenischen Sozialstation und dem Protestantischen Dekanat, außerdem Gisela Wissing, die Fachfrau für gemeinschaftliches Wohnen in der Evangelischen Kirche der Pfalz, und Jutta Rudolf, die ehrenamtliche mobile Beraterin für gemeinschaftliches Wohnen für Frankenthal. Auf der Gründungsversammlung wurde Jutta Rudolf zur 1. Vorsitzenden gewählt, 2. Vorsitzende ist Sigrid Weidenauer-Sauer, Schatzmeisterin Ria Weisenbach.

Der Verein will Impulse für gemeinschaftliches Wohnen geben – sei es als Pflegewohngemeinschaft oder als Wohnprojekt, das für alle Generationen infrage kommt – und Mittler zwischen Interessierten und Fachleuten sein. Es kommt ihm darauf an, dass gemeinschaftliches Wohnen zu vertretbaren finanziellen Bedingungen, zum Beispiel im Alter, möglich ist. Kontaktadresse des Vereins ist: Jutta Rudolf, Telefon (06239) 996104, E-Mail gemeinschaftliches-wohnen-ft@gmx.de. Weitere Informationeh gibt es auf der Website des Vereins: gemeinschaftliches-wohnen-ft.de.

 
– Informationen und Beitrittserklärung



"Das war die beste Entscheidung der letzten Jahre, dass ich hier eingezogen bin"

Gemeinsam mit dem Mehrgenerationenhaus hatte der Verein für gemeinschaftliches Wohnen in Frankenthal e.V. am 10. Juni zu einem Frühstück im Rahmen des Beratungscafés »Rat und Tat« im Mehrgenerationenhaus eingeladen. Thema war das gemeinschaftliche Wohnen. Frau Helga Traxel, die zweite Vorsitzende des Karlsruher Vereins »Zukunft alternativ gestalten e.V.« und selbst Mitbewohnerin des gemeinschaftlichen Wohnprojekts, das der Verein initiiert hat, schilderte vor vierzig Zuhörerinnen und Zuhörern das Entstehen des Wohnprojekts. Dieses wird von den elf aktiven Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern sehr geschätzt. »Das war die beste Entscheidung der letzten Jahre, dass ich hier eingezogen bin« sagte eine der Bewohnerinnen zu ihrem Einzug

Ende 2004 konnte das gemeinschaftliche Wohnprojekt in Karlsruhe bezogen werden. Heute wohnen dort Bewohnerinnen und Bewohner im Alter zwischen 65 und 94 Jahren. Trotz des Durchschnittsalters, so Helga Traxel, sei es kein »Altenheim«: »Es ist viel Leben im Haus.« In den neunziger Jahren hatte sich eine Gruppe meist Alleinstehender gefunden, die nicht alleine in ihrem Häuschen im Vorort oder in einem Wohnblock im vierten Stock ohne Aufzug bleiben wollten. Mit Hilfe der Beratung durch einen Architekten und einer Baugesellschaft ist es ihnen gelungen, das Wohnprojekt zu verwirklichen. Der Verein »Zukunft alternativ gestalten« hat die Wohnungen vom Bauträger gemietet und vermietet sie weiter an die Vereinsmitglieder.

Die Vereinsmitglieder bewohnen abgeschlossene Wohneinheiten mit 1,5 bis drei Zimmern. Zusätzlich gibt es einen Gemeinschaftsraum, der auch von Besucherinnen und Besuchern zum Übernachten genutzt werden kann. Die Bewohnerinnen und Bewohner können die Tür hinter sich zu machen und sie unternehmen viel gemeinsam. Sie verabreden sich zu Wanderungen, Kurzurlauben oder kulturellen Veranstaltungen und treffen sich bei den monatlichen Haustreffs, bei einem monatlichen Sonntagsfrühstück oder dem Sommerfest.

»Wollte nur fragen, ob es Dir gut geht« - im Wohnprojekt gibt es »Tandems«, die aufeinander achten und die mitbekommen, wenn irgendetwas anders ist als gewöhnlich. Die gemeinsame Unterstützung muss nicht organisiert werden, sie läuft spontan, weil das Projekt eine überschaubare Größe hat. Auch muss niemand um Hilfe bitten: Sie oder er klingelt bei einer Nachbarin/einem Nachbarn und fragt ganz selbstverständlich: »Kannst Du mir mal helfen?« Achtsamkeit, Kontakt und selbstorganisierte Unterstützung machen nach Helga Traxel das gemeinschaftliche Wohnprojekt aus.

Wie der Frankenthaler Beigeordnete Andreas Schwarz bei seiner Begrüßung sagte, fehlt es in Frankenthal an bezahlbarem Wohnraum und auch an Wohnraum beispielsweise für ältere Menschen mit Einschränkungen bei der Mobilität. Damit es in Frankenthal Wohnprojekte geben kann, die diesen Bedürfnissen entgegenkommen, möchte der Verein für gemeinschaftliches Wohnen Informationen bieten und eine Plattform für Menschen sein, die gemeinsam ein Wohnprojekt beginnen möchten. Noch, so die Vorsitzende des Vereins für gemeinschaftliches Wohnen, Jutta Rudolf, klinge ein solches Projekt utopisch, doch es gebe bereits viele Wohnprojekte – nur eben noch nicht in Frankenthal.

Ria Weisenbach, die Vorsitzende des Frankenthaler Seniorenbeirats und ebenfalls Gründungsmitglied des Vereins für gemeinschaftliches Wohnen, forderte die Anwesenden zum Schluss dazu auf, sich zu informieren, »bevor man 80 ist«. Zu den Stammtischen am ersten Dienstag im Monat um 17.30 Uhr im Restaurant »Braustübl« in der Mörscher Straße 30 lädt der Verein herzlich ein. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage www.gemeinschaftliches-wohnen-ft.de und bei Jutta Rudolf, der 1. Vorsitzenden des Vereins für gemeinschaftliches Wohnen in Frankenthal e.V., Telefon (06239) 996104, E-Mail gemeinschaftliches-wohnen-ft@gmx.de.

 



"Nachbarschaft leben ist mehr als Wohnen" - Vortrag über gemeinschaftliches Wohnen

Gisela Wissing ist nicht nur Beraterin für gemeinschaftliches Wohnen für die evangelische Kirche der Pfalz, sie wohnt selbst in einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt, dem Generationenhof in Landau (www.gehola.de).

Im Rahmen eines Infoabends berichtete sie Mitgliedern der Arbeitsgruppe Wohnen und Stadtentwicklung und der Arbeitsgruppe Interkulturelle Öffnung und interkulturelle Kompetenz der Verwaltungen und Behörden, zwei von fünf Arbeitsgruppen, die am Integrationskonzept der Stadt Frankenthal (Pfalz) arbeiten, von ihren Erfahrungen. Außerdem waren einige Vertreter der Planungsgruppe Gemeinschaftliches Wohnen in Frankenthal, die sich für den Gedanken des gemeinschaftlichen Wohnens einsetzt, und Gäste anwesend. Das Wohnprojekt in Landau besteht aus 39 Wohnungen, 58 Personen im Alter von ein bis 89 Jahren wohnen darin, darunter auch Familien mit Kindern und eine Pflege-Wohngemeinschaft mit 3 Personen. Diese Vielfalt – Alte, Junge und Menschen mit Behinderungen – macht für Gisela Wissing die Qualität eines Wohnprojekts aus. Zustande gekommen war das Wohnprojekt durch die Initiative einzelner Personen, die zwar in ihren eigenen Wohnungen, aber nicht vereinzelt wohnen wollten. Das nachbarschaftliche Netzwerk ist ein weiteres Kennzeichen eines Wohnprojekts: Die Beteiligten kümmern sich aktiv darum, sie arbeiten und feiern gemeinsam, kümmern sich um Einzelne im Wohnprojekt und verbessern oft die Nachbarschaft weit über ihr eigenes Umfeld hinaus.

Ausschlaggebend, so Gisela Wissing, sei nicht das Gebäude, sondern der Wille, das nachbarschaftliche Miteinander zu leben. Gemeinschaftliches Wohnen beginnt deshalb mit einem Gemeinschaftsraum in einer Wohnanlage und kann sich über eine Wohn- oder Hausgemeinschaft bis hin einem Nachbarschaftsverein in einem Stadtbezirk steigern. Bereits kleine Ziele, so Gisela Wissing, ein kleines gemeinschaftliches Projekt in einem Stadtteil zum Beispiel, würden eine große Wirkung zeigen.

In der anschließenden Diskussion ging es vor allem darum, wie ein gemeinschaftliches Wohnprojekt die Integration unterstützen könnte. Klar wurde, dass es die Bewohner in einem Stadtviertel sind, die mit ihrer Initiative den Startpunkt dafür setzen, indem sie Verantwortung für ein nachbarschaftliches Miteinander im Quartier übernehmen. Aber ebenso deutlich wurde, dass der Stadt oder z. B. der städtischen Baugesellschaft eine bedeutende Rolle dabei zukommt, Initiativen zu unterstützen.

 



Interesse daran, wie ein gemeinschaftliches Wohnprojekt realisiert werden kann

Zweimal wurde der Film »Und wenn wir alle zusammenziehen?« im Rahmen des 5. Europäischen Filmfestivals der Generationen in Frankenthal gezeigt (am 6. Oktober 2014 in den Lux-Kinos). Im Anschluss an beide Vorführungen stellten sich Jutta Rudolf und Sigrid Weidenauer-Sauer, 1. und 2. Vorsitzende des Vereins für gemeinschaftliches Wohnen in Frankenthal e.V., den Fragen der Besucher. Moderiert wurde das Gespräch von Martina Pisek, der Demographiebeauftragten der Stadt Frankenthal.

Deutlich wurde das Interesse daran, wie ein gemeinschaftliches Wohnprojekt zustande kommt. Jutta Rudolf und Sigrid Weidenauer-Sauer zeigten drei Wege auf: Auf jeden Fall besteht der Anfang aus einer Gruppe Gleichgesinnter, die gerne zusammen wohnen möchte und die für das Projekt einen Verein gründen. Entweder baut dann der Verein dann selbst und jedes Mitglied wird Eigentümer seiner Wohnung oder ein privater Investor baut und der Verein wird Mieter. Der Verein bestimmt dann selbst, an wen er eine Wohnung vermietet.

Die dritte Möglichkeit ist für Jutta Rudolf der »Königsweg«: Am gemeinschaftlichen Wohnen Interessierte können sich einer größeren Genossenschaft anschließen oder selbst eine Wohnungsbaugenossenschaft gründen. Der Vorteil: Die Immobilie gehört der Genossenschaft, die die Wohnungen vermietet. Am Anfang leisten die Genossenschaftsmitglieder eine Einlage und genießen dann lebenslängliches Wohnrecht. Wenn sie selbst kündigen, erhalten sie ihre Einlage zurück.

Bei den Nachgesprächen wurde auch deutlich, dass es beim gemeinschaftlichen Wohnen nicht nur um eine Generation geht. Gemeinschaftliches Wohnen spricht Junge wie Alte an, denen an einer guten Nachbarschaft gelegen ist, aus der etwas entstehen kann. Allerdings muss man selbst aktiv und kreativ werden. Für Frankenthal leistet der Verein für gemeinschaftliches Wohnen Hilfe bei den ersten Schritten. Der Verein sucht noch weitere Mitglieder, die sich für die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens einsetzen wollen – und vor allem nach einer Gruppe, die ein Wohnprojekt beginnen möchte. Ein besonderes Anliegen ist dem Verein, dass es auch Angebote für Menschen mit weniger Geld gibt.